The Story of My Life! Back To Barock

Nach gefühlten Ewigkeiten mit orientalischer Musik, bin ich heute wieder bei meinen Wurzeln angekommen. Händels Concerto grosso Op. 6 Nr 12. Ein Wahnsinn! Ich habe mit 14 meine damals 13jährige Jugendliebe im Orchester angeschmachtet. Und heute ist es für mich eine der kraftvollsten Musikstücke überhaupt. Jedes Jahr fuhren wir auf Chorfreizeit nach Neukirchen and er Ostsee. Hoch im Norden, nahe Flensburg. Ich sehe Schloss Glücksburg, den Dom in Schleswig, die Steilküste, Sturmflut, Eisschollen, ich spüre meine nassen Füße in den Gummistiefeln, und sehe uns Völkerball spielen, flöten, singen, lieben und spielen. Ich erinneremich an die schlechten Bockwürstchen auf unserer alljährlichen "Konzertreise" nach Niebüll.

Diese Spannung, dieses Thema, dieses wahnsinns Allegro! Und trotz des Aparates unter der Melodie ist es so zart. Diese Kraft, die Lebendigkeit... toll. Es ist soooooo schön!

Die Töne fliegen dahin. Bach, Buxtehude, Telemann und Händel waren der Soundtrack meiner Kindheit mit Eltern, die gerade mal County & Western, Dixie-Jazz und Schlager der 60er gehört haben. Vielleicht führt mich der zarte Wohlklang des Cembalo nun zu den Lauten.

Und nicht anders ist mit Bach Brandenburgischen Nr. 3:

Wenn man die Kapelle des Wasserschlosses in Glücksburg betrat, mußte man an einer dicken Tür vorbei. Sie hatte ein riesiges Schlüsselloch, durch das ich zum ersten Mal mit ungefährt acht Jahren schaute. Und in dem Raum hinter der Tür verbargen sich Särge. Das fanden wir alle immer gruselig, zumal wir von vorne aus dem Chor immer auf diese Tür starrten... wenn wir mal nicht dem Dirigat unserer geliebten Frau Magarete Meis-Pagenstecher folgten. Doch zurück zu bach. Man das ist doch Rock'n'Roll! Für mich ist diese Musik motivation zum Luftgitarre spielen, laut singen udn tanzen. Ich finde noch heute: Wenn sich mir das Göttliche irgendwo offenbart, dann in dieser Musik und nirgendwo anders! Doch wie bin ich hier gelandet? Ich gehe den Weg der letzten Wochen rück wärts.

Ich habe seit vier Wochen Liebeskummer und dann höre ich eben gerne barocke Musik. Das Wiegen jeder Viertel mit dem wunderschönen auf-und abschwellenden Thema hilft und spendet immer wieder Trost. Diese Musik erzählt mir so viel vom Menschsein, über den Schmerz und die Kraft und darüber dass es etwas gibt, das den Alltag überdauert, eine Tiefe, die man nur mit dem Blick in die historische Ferne (Verganenheit oder Zukunft) ahnen kann. Und meine Verbindung zu diesem Stück ist fast so alt, wie die zu Bach und Händel. Ich erinnere mich an meine erste Beziehung, den besten Freund der großen Liebe. Ein wunderbarer Mann, wie ich vor einer Weile wieder einmal feststellen durfte.

Und nun, wo ich zehn Jahre nach Abschluss meines musikwissenschaflichen Studiums endlich Sinn in ernster Musik höre, muss ich meinem lieben Exnachbarn Thomas danken. Er hat mir dabei sehr geholfen. Noch ein Thomas! So habe ich mich heute von einem Thoams zum nächsten geschrieben.