Stadtmarketing advanced: Realsatire
http://www.wirwuppendas.de/videochannel/video/989 .. was aus alten Chorfreunden werden kann. Habe ich schon gesagt, wie toll es ist Bach singen zu können und trotzdem ein Digitalmischpult bedienen zu können?
Ich bin zurück in Berlin und es kommt mir ganz herbstlich vor.
Trotz meiner wunderbaren Arbeit und der schönen Reise, gibt es doch auch Dinge, die mich schwer erschüttern und mich an der Welt zweifeln lassen. Am Samstag sollten meine türkischen Musiker zu mir nach Berlin kommen. Aber der Visumsantrag wurde vom deutschen Generalkonsulat in Istanbul abgelehnt. Wir können die Gründe nicht verstehen, denn sie machen keinen Sinn. Seit ich mit Istanbul in Verbindung stehe, werden ganz viele meiner Grundfesten erschüttert. Erst mein Selbstverständnis von Gleichheit zwischen Mann und Frau. Nicht auf einer deutliche und klaren Ebene, wie ich es schon von meinen Deutschtürken im Wedding kannte, sondern wesentlich subtiler. Dann habe ich das Konzept von Heimat in Frage gestellt, weil es mir sehr europäisch vorkommt. Später Demokratie. Wenn die Türkei in die EU will, dann sollte da noch einiges passieren. Und nun verstehe ich mein eigenes Land nicht mehr, weil dieser Antrag auf ein Visum abgelehnt wurde.
Ich habe mich heute alleine in Brüssel auf den Weg zum Atomium gemacht. Ich war als Kind mit meinen Eltern in Minidom und war völlig beeindruckt von dem Ding. Nun bin ich groß und durfte das Baukunstwerk in groß bewundern. Unglaublich schön. Ich liebe einfach moderne Architektur. Und wie die Kugeln mit dem Himmel verschwimmen und ihn spiegeln...
Aber natürlich passierte, was passieren mußte: Der Aufzug ging kaputt, als ich in der Schlange stand - klar. Und es dauerte eine ganze Weile, das alte Ding aus dem Jahr 58 wieder in Gang zu setzen. Da aber die Schlange am Geld-zurück-Schalter länger war, als vor dem Aufzug, hielt ich mich standhaft dort und gehörte zur zweiten Gruppe, die nach oben geschossen wurden.Ich fand gerade auf der Toilette meines Gastgebers Christoph eine Spiegelausgabe vom Mai.
Dort las ich etwas übe Melody Gardot. Wie konnte mir diese Stimme entgehen? Ganz klar, ich war die letzten Wochen und Monate nur mit Elektro und Ethno beschäftigt. Nun nehme ich mir Zeit, irgendwo zwischen Theremingefuchtel und Soundgeschraube.
Melody und ich haben ein Gemeinsamkeit: Ein Fahrradunfall durch einen flüchtigen LKW-Fahrer änderte unser Leben. Sie hat es härter getroffen als mich, aber sie hat größeres erreicht. Beeindruckend. Ich bin gerührt.
Diese besonders ruhige Hingabe. Diese Leichtigkeit im erfassen der emotioalen Grundstimmung eines Songs. Toll.
Klar, die Story, läßt sich gut verkaufen, aber Entschuldigung, mich hat auch ein Laster geknutscht und ich singe nicht mit Herbie Hancock.